Russlands bester General trägt Krawatte

Russlands bester General trägt Krawatte

Russlands bester General führt keine Panzerbataillone. Er führt Telefonate aus Mar-a-Lago. Trump verhandelt nicht für die Ukraine, er verhandelt Hand-in-Hand mit dem Täter. Die schamloseste Inszenierung der modernen Diplomatie.

Russlands bester General trägt Krawatte

Sonntagnacht, Mar-a-Lago. Trump und Selenskyj treten vor die Presse. Man habe „große Fortschritte“ erzielt, sagt Trump. Man sei sich zu „90 Prozent einig“.

90 Prozent. Das hatten sie vor dem Treffen auch schon gesagt. Nach dem Treffen sind es immer noch 90 Prozent. Die fehlenden 10 Prozent – Territorium, Sicherheit, Überleben – bleiben „heikel“. Arbeitsgruppen sollen sich treffen. Irgendwann. Im Januar vielleicht.

Währenddessen, am Tag vor diesem Treffen, feuerte Russland über 500 Drohnen und Raketen auf die Ukraine. Millionen Menschen von Kyjiw bis Odesa ohne Strom. An Weihnachten.

Aber Trump sagt: „Russland will, dass die Ukraine Erfolg hat.“ Putin sei „sehr großzügig“ gewesen am Telefon. Er wolle billigen Strom liefern, beim Wiederaufbau helfen.

Selenskyj steht daneben. Er lächelt. Er muss.

Trump verhandelt nicht über Frieden – er zwingt die Ukraine in eine inszenierte Ohnmacht, während er Putins Krieg politisch absichert.


Die Waffe heißt Zermürbung

Verstehen wir, was hier passiert?

Trump verhandelt nicht für die Ukraine. Er verhandelt über sie. Mit Putin. Selenskyj ist nicht Partner dieser Gespräche – sondern Objekt. Er darf dabei sein, sich bedanken, lächeln. Aber die eigentlichen Absprachen laufen auf einer anderen Leitung.

Die Choreografie ist stets dieselbe:
Trump telefoniert mit Putin.
Dann mit Selenskyj.
Dann wieder mit Putin – um zu berichten.

Das ist keine Diplomatie. Das ist eine Machtdemonstration.

Die Ukraine soll nicht überzeugt, sondern ermüdet werden. So lange, bis sie jeden „Deal“ unterschreibt, der ihr vorgelegt wird. Putin weiß das. Deshalb bombardiert er weiter, während verhandelt wird. Es kostet ihn nichts. Trump verkauft es als Ausgleich: „Beide Seiten greifen an.“

So entsteht eine neue Form der Kriegsführung: Bomben auf der einen Seite, Rhetorik auf der anderen. Und dazwischen ein Land, das gezwungen wird, dankbar zu sein, während es brennt.


Auf Zehenspitzen durch die Demütigung

Das Zermürbende ist nicht nur der Krieg. Es ist die Rolle, in die Selenskyj gedrängt wird.

Er kann nicht widersprechen. Er kann nicht sagen, was offensichtlich ist:
- dass Trump Putins Narrative übernimmt.
- dass diese „Friedensgespräche“ eine Inszenierung sind.
- dass hier keine Neutralität existiert.

Er muss jeden Affront schlucken. Er muss lächeln, wenn Trump behauptet, Putin wolle der Ukraine helfen – während seine Städte brennen. Er muss sich bedanken für „großartige Gespräche“, weil ein falsches Wort bedeuten kann: keine Hilfe mehr.

Das ist die eigentliche Waffe. Nicht die Bomben allein. Sondern eine Ukraine, die nicht mehr kämpfen kann, wie sie kämpfen müsste. Die auf Zehenspitzen geht, um Trump nicht zu verärgern. Die ihre eigene Demütigung performen muss, um am Tisch zu bleiben.

Das ist ein Stockholm-Syndrom auf staatlicher Ebene.

Garry Kasparov schrieb: „Wir alle sind Selenskyj. Aber niemand auf der Welt hat seine Selbstbeherrschung.“

Das stimmt. Nur hat niemand von uns seine Selbstkontrolle unter Bomben erlernen müssen.


Die Bruderschaft der Betrüger

Und dann sagt Trump diesen Satz. Vor laufender Kamera. Neben Selenskyj.

„Vergessen Sie nicht, wir haben den Russia-Russia-Russia-Schwindel zusammen durchgestanden. Er hat mich angerufen, ich hab ihn angerufen, und wir haben gesagt: Kannst du glauben, was die sich ausdenken?“

Zusammen. Er und Putin.

Man muss das kurz sacken lassen.

2016 hat Russland die US-Wahl manipuliert. Putins Trollfabriken, Putins Hacker, Putins Operation. Das ist keine Verschwörungstheorie, das sind Gerichtsurteile und Geheimdienstberichte.

Und Trump? Trump hat davon profitiert. Wurde Präsident. Wurde untersucht, beinahe impeached – und hat überlebt.

Aber Putin? Putin hatte kein „Leid“. Putin hat manipuliert und gewonnen. Hat zugeschaut, wie Amerika sich selbst zerfleischt. Hat jeden Tag davon profitiert, bis heute.

Doch in Trumps Kopf sind sie Opferbrüder. Verfolgte. Gemeinsam gegen die böse Welt. Trump fühlt sich verbunden – auch aus Dank, dass ihm Putin mit seiner weltumspannenden Propagandamaschinerie gleich zweimal ins Weiß Haus brachte.

Das ist keine Geopolitik. Das ist pathologische Bindung. Und diese Bindung bestimmt jetzt die Zukunft der Ukraine. Währenddessen soll die Welt abnicken, er sei ein ehrlicher Makler.


Das Säurebad

Das Verstörende ist nicht, dass Trump so handelt.
Das Verstörende ist, dass man es ihm durchgehen lässt.

Der Spiegel nennt Trumps Aussage, Russland werde beim Wiederaufbau helfen, „bemerkenswert“.
Nicht: absurd. Nicht: zynisch. Nicht: eine Verhöhnung der Toten.
Bemerkenswert.

Europa telefoniert nach dem Meeting mit und spricht von „guten Fortschritten“.
Von der Leyen fordert „unumstößliche Sicherheitsgarantien“ – als könnte man mit diesem US-Präsidenten irgendetwas „unumstößlich“ vereinbaren.

Und Putins Sondergesandter Dmitriev schreibt nach dem Treffen: „Die ganze Welt würdigt die Friedensbemühungen von Präsident Trump.“

Das ist das Gütesiegel. Es kommt aus Moskau.


Der Täter

Es ist Zeit, es auszusprechen.

Trump verlängert diesen Krieg. Nicht versehentlich. Nicht aus Unfähigkeit.

Er tut es, weil er Putin etwas schuldet. Putins Propaganda hat die Welt so lange bearbeitet, bis Trumps feuchteste Träume Realität werden konnten: der starke Mann, der brutale Egomane, der jetzt beklatscht wird statt bekämpft. Der seine Welt in Gold gießen kann, ohne nennenswerten Widerstand. Der sogar für den Friedensnobelpreis gehandelt wird – während er einen Krieg verlängert.

Putin ist der Ermächtiger dieses Irrsinns. Warum sollte Trump ihm widersprechen? Warum sich selbst ins Knie schießen, wenn man endlich dort angekommen ist, wo man immer hinwollte?

Und bei allem schwingt mit: Ukrainisches Leben ist ihm schlicht egal.

Er ist nicht neutral. Er ist nicht überfordert. Er ist Russlands bester General.

Keine Uniform. Keine Panzer. Nur ein Mann in Mar-a-Lago, der nach dem Gespräch mit dem Opfer den Täter anruft, um Bericht zu erstatten.

Wir schauen zu, wie ein Friedensnobelpreis-Kandidat den Täter hofiert, während das Opfer den Applaus für seinen eigenen Untergang spendieren muss. Die Frage ist nicht mehr, was Trump tut.

Die Frage ist: Wie lange nennen wir das eigentlich noch Diplomatie?

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