Trump gewinnt immer – für uns wird es entweder Pest oder Cholera

Gefragt, was ihm wichtiger sei – Grönland oder die NATO – sagte der Präsident der Vereinigten Staaten: „Das könnte eine Entscheidung werden.“

Keine Ausflüchte. Keine Diplomatie. Klartext. Die NATO – das mächtigste Militärbündnis der Geschichte. 75 Jahre Schutzversprechen. Artikel 5.
All das liegt gerade auf einer Seite der Waage. Auf der anderen: eine Insel mit 57.000 Einwohnern, dreimal so groß wie Texas, mit Seltenen Erden und Öl unter dem Eis, sehr dickem Eis.

Trump wägt noch ab. Wir hoffen. Erst vor wenigen Tagen haben sieben europäische Regierungschefs ein gemeinsames Statement veröffentlicht. Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Polen, Italien, Spanien und Dänemark. Sie versicherten, Seite an Seite mit den USA das Völkerrecht zu verteidigen.
Gegen die USA.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
Wir, X, verteidigen zusammen mit Y das, was Y uns wegnehmen will.
Das ist keine Diplomatie. Das ist Kafka in Briefform.

Sorry, liebe Nostalgiker da draußen:
Die NATO war nie ein Bündnis unter Gleichen. Sie war ein Schutzgeldgeschäft mit gelungener PR. Amerika stellte den Schirm, wir stellten die Dankbarkeit. Achtzig Jahre hat das funktioniert, weil niemand laut sagte, was alle wussten.

Jetzt sagt es einer laut.
Trump braucht keine Erlaubnis. Er fragt sich lakonisch, was wir denn bitte schön dagegen unternehmen wollen. Er kennt die Antwort: Nichts.

Wir sind in der klassischen Zwickmühle: Wir brauchen amerikanische Waffen für die Ukraine. Also halten wir wegen Grönland den Rand. Dänemark wird geopfert, damit Kyjiw nicht geopfert wird und Putin sich siegessicher weiter gen Brandenburger Tor aufmacht. So läuft das jetzt.

100.000 Dollar pro Grönländer. Das ist das Angebot, das jetzt auf dem Tisch liegt. Sechs Milliarden bekämen damit die Einwohner Grönlands für die größte Insel der Welt, wenn sie zustimmen. Weniger als ein neues NFL-Stadion.

Ein ICE-Agent bekommt nur fürs Mitmachen 50 000. Allerdings bringen die keine Insel mit, sondern bekommen noch Handschellen und eine Waffe obendrauf.
In Minneapolis hat diese Woche einer von ihnen eine Mutter von drei Kindern erschossen. Mehrere Kopfschüsse. Der Vizepräsident nannte es „eine Tragödie ihres eigenen Machens“.

Das ist der Ton. Das ist die Moral, die Trump meint, wenn er sagt, sie sei seine einzige Grenze. Und vielleicht schickt er dann eines Tages die ICE-Truppe nach Grönland, um diese verdächtig aussehenden Inuits einzusammeln, die seinen neuen Bundesstaat nicht blond genug wirken lassen.

„In drei Wochen“, sagt er, will er über Grönland reden. Er setzt Deadlines wie ein Gebrauchtwagenhändler. Das Angebot gilt bis Freitag. Danach sehen wir weiter. Nur dass „weitersehen“ hier heißt: Militärische Optionen bleiben auf dem Tisch. Das Weiße Haus bestätigt das jeden Tag aufs Neue. Diplomatie ist eine Option. Kaufen ist eine Option. Militär ist auch eine Option. Alles ist eine Option, wenn du stark genug bist und weißt, dass du es auf die eine oder andere Weise bekommst.

Die dänische Premierministerin sagt: Wenn ihr das tut, ist die NATO tot.
Trump zuckt die Schultern. Die NATO ohne Amerika? Wertlos.
Er hat es in der NYT gesagt, schwarz auf weiß.

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