Das Gas, das tötet

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Das Gas, das tötet
Bild: KI-generiert

Wie Europa der Ukraine hilft und ihren Angreifer finanziert - mit demselben Geld

Tief im russischen Hinterland explodieren die Raffinerien und Pumpstationen, getroffen von ukrainischen Drohnen, die Moskaus finanzielle Lebensader kappen sollen. Doch während die Ukraine kämpft, hält der Westen die Kasse offen. Die USA verlängern kurzerhand ihre Ausnahmen für russisches Seeöl und geben Putins verrotteter Schattenflotte freie Fahrt auf den Weltmeeren. Parallel hebelt Großbritannien die eigenen Prinzipien aus: Ausgerechnet der Staat, der sich als härtester Jäger von Schmuggeltankern inszeniert, importiert wieder Treibstoff aus russischem Rohöl. Der Trick: Ein Zwischenstopp in indischen oder türkischen Raffinerien wäscht das Öl auf dem Papier rein. Die Begründung für dieses falsche Spiel ist überall dieselbe: Versorgungssicherheit.

Die Ukrainer zahlen für ihre Angriffe einen hohen Preis, und sie zahlen ihn freiwillig: Rund ein Zehntel der russischen Raffineriekapazität haben sie inzwischen ausgeschaltet, mit jedem Flug ein Risiko. Selenskyj nennt diese Angriffe selbst „Sanktionen“, weil die echten so löchrig geworden sind. Genau in der Woche also, in der die Ukraine unter Verlusten Putins Kasse zu leeren versucht, öffnet der Westen die Hähne, durch die das Geld zurückläuft.

Man könnte das für einen unglücklichen Zufall halten. Eine Verkettung von Krisenentscheidungen, getrieben vom Iran-Krieg und der gesperrten Straße von Hormus, die die Preise nach oben jagen. Aber das wäre die bequeme Lesart. Die unbequeme ist: Es ist kein Ausrutscher. Es war nie anders.

Die Firma, die uns gehört

Um zu verstehen, wie tief das Muster sitzt, muss man nicht nach London oder Washington schauen. Es genügt ein Blick auf eine Firma, die den Deutschen selbst gehört: die Securing Energy for Europe GmbH, kurz Sefe. Der Name ist Programm und Hohn zugleich.

Die Geschichte beginnt 2022. Es ist die ehemalige Gazprom Germania, deutscher Ableger des russischen Staatskonzerns. Als der Krieg ausbricht und Russland das Gas als Waffe einsetzt, übernimmt der deutsche Staat die Kontrolle, um die Versorgung zu sichern und das Unternehmen Moskaus Zugriff zu entreißen. Eine Notverstaatlichung, teuer, aber als Befreiungsakt gedacht. Der Bund wird Alleineigentümer. Sefe gehört von nun an, vermittelt über Berlin, jeder Steuerzahlerin und jedem Steuerzahler.

Was dann geschieht, hat eine Recherche des NDR-Journalisten Jürgen Webermann im Mai 2026 ans Licht gebracht. Im April 2023, der Krieg tobt seit über einem Jahr, fliegt der Sefe-Chef nach Dubai. Dort trifft er sich vertraulich mit Leonid Michelson, dem Chef des russischen Gaskonzerns Novatek, einem Vertrauten Putins und einem der reichsten Männer Russlands. Es geht um den alten Liefervertrag über Flüssiggas aus dem sibirischen Jamal-Projekt. Die Russen hatten Sefe nach der Verstaatlichung selbst sanktioniert und boykottiert. Niemand zwang das Unternehmen, sich wieder anzunähern. Es hätte einfach stillhalten können.

Stattdessen bittet die deutsche Seite den Kreml um Erlaubnis, wieder kaufen zu dürfen. In einem internen Vermerk, aus dem der NDR zitiert, hält der Sefe-Chef fest, die Sache sei heikel mit Blick auf den Eigentümer, also den Bund. Man brauche ein „Narrativ“, eine Erzählung, um das in Berlin verkaufen zu können. Und er liefert sie gleich mit: Das russische Gas sei für Indien bestimmt, laufe nur über einen belgischen Hafen, deutsche Netze seien nicht betroffen. Eine saubere Geschichte für die eigene Regierung.

Es gibt nur ein Problem mit dieser Geschichte. Sie stimmt nicht. Das lässt sich heute nicht etwa aus geheimen Dokumenten belegen, sondern aus den Antworten der Bundesregierung selbst, nachzulesen in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion vom Oktober 2025. Demnach landete Sefes russisches Flüssiggas zu 2,2 Prozent in Indien. Zwei Komma zwei. Der gesamte Rest blieb in Europa, der größte Teil lief über das französische Dünkirchen, ein kleinerer über das belgische Zeebrügge. Das Narrativ vom Indien-Gas, mit dem man Berlin beruhigte, deckte nicht einmal jede zwanzigste Ladung.

Die Bundesregierung verstrickt sich in ihren eigenen Akten noch weiter. Auf die Frage, ob Sefe denn versucht habe, aus dem russischen Vertrag herauszukommen, lautet die schriftliche Antwort, das Unternehmen habe 2023 geprüft, den Vertrag zu verkaufen oder zu übertragen, das Projekt sei jedoch eingestellt worden, weil es „keine kommerziell tragfähige Lösung“ gegeben habe. Nicht: weil es unmöglich war, aus dem Geschäft mit dem Aggressor auszusteigen. Sondern: weil es sich nicht rechnete. Das ist der ganze Skandal in vier Worten.

An dieser Stelle ist Fairness geboten, denn das Unternehmen hat ein Argument, und kein schlechtes. Öffentlich gibt sich SEFE bis heute als Gefangener der Umstände. Es gebe keine rechtliche Grundlage, den Altvertrag zu kündigen, ließ das Unternehmen 2025 wissen, da die EU russisches Flüssiggas nicht sanktioniert habe. Und mehr noch: Selbst wenn man das Gas nicht abnähme, müsste man die vereinbarten Mengen bezahlen, weil solche Lieferverträge eine Abnahme- oder Zahlungspflicht enthalten. Eine Nichtabnahme würde dem russischen Lieferanten sogar erlauben, dieselben Mengen ein zweites Mal zu verkaufen, was Moskau erst recht nützte. In dieser Logik erscheint die Abnahme fast als das kleinere Übel, beinahe als Wohltat. Und es stimmt: Eine Verstaatlichung hebt bestehende Verträge nicht auf. SEFE ist juristisch dieselbe Gesellschaft wie die frühere Gazprom Germania, nur der Eigentümer wechselte. Wer in einer solchen Zahlungsfalle steckt, für den ist es kaufmännisch nicht unvernünftig, das bezahlte Gas wenigstens mitzunehmen und weiterzuverkaufen.

Nur passt diese Erzählung des hilflos Gebundenen schlecht zu dem, was tatsächlich geschah. Denn die Russen hatten SEFE nach der Verstaatlichung selbst boykottiert und die Belieferung gestoppt. In genau diesem Moment, in dem der Lieferant nicht lieferte und die Vertragslage alles andere als eindeutig war, flog der SEFE-Chef nicht etwa los, um aus dem Vertrag herauszukommen, sondern um wieder hinein. Er bat den Kreml um die Erlaubnis zur Wiederbelieferung. Eine reine Zahlungspflicht hätte man auch erfüllen können, ohne das Gas je anzurühren. Wer dagegen aktiv um die Wiederaufnahme bittet, trifft eine Entscheidung. Und wer nur eine unvermeidliche Rechnung begleicht, braucht dafür kein „Narrativ“, mit dem er die eigene Regierung beruhigt.

Ob es nun die zwangsläufige Erfüllung eines unkündbaren Altvertrags war oder eine geschäftliche Entscheidung, die man nachträglich als Zwang darstellte, lässt sich von außen nicht abschließend beantworten. Das liegt auch daran, dass die Bundesregierung genau die Unterlagen, die es klären würden, also die konkreten Vertragsbedingungen und die Prüfung höherer Gewalt, als Verschlusssache eingestuft und dem Parlament nur vertraulich übergeben hat. Die Antwort existiert. Sie ist nur geheim. Und allein das ist, bei einem Unternehmen, das den Steuerzahlern gehört, eine Frage wert.

Und über allem schwebt die nächste Frage, die niemand beantworten will: Wer hat das eigentlich gewusst? Die Regierung beteuert, vom Dubai-Treffen und den Gesprächen im Einzelnen nichts geahnt zu haben. Doch dieselbe Regierung schreibt dem Bundestag, sie stehe mit Sefe in einem zweiwöchentlichen Austausch, sie habe eine eigene Vertreterin im Aufsichtsrat, der monatlich tage, und werde über alle wesentlichen Angelegenheiten informiert. Beides zugleich kann nicht wahr sein. Entweder war ein Gasgeschäft mit einem Putin-Vertrauten mitten im Krieg keine wesentliche Angelegenheit. Oder das Nichtwissen war eine Entscheidung.

Kein deutscher Sonderweg

Es wäre tröstlich, wäre Sefe ein deutscher Einzelfall, ein Betriebsunfall in einem ansonsten standhaften Europa. Das Gegenteil ist wahr. Sefe ist nicht einmal der größte Profiteur. Der größte sitzt in Frankreich.

Der Konzern TotalEnergies ist der größte Abnehmer von russischem Flüssiggas in der Europäischen Union, und er ist mehr als das. Er ist Miteigentümer der Quelle: Total hält zwanzig Prozent am Jamal-Projekt und 19,4 Prozent an dessen Mutterkonzern Novatek, demselben Novatek, dessen Chef in Dubai mit dem Sefe-Chef saß. Total verdient also doppelt, am Verkauf des Gases und an den Gewinnen des russischen Förderers. Nach Berechnungen von Greenpeace summieren sich die so dem russischen Staat zugeflossenen Gewinnsteuern auf Milliarden, wobei ein Teil dieser Dividenden derzeit wegen der Sanktionen in Russland blockiert ist. Was hingegen ungebremst weiterläuft, ist das Abnahmegeschäft: rund fünf Millionen Tonnen russisches Flüssiggas pro Jahr.

Das Aufschlussreichste an Total ist nicht die Verstrickung selbst, sondern die Reaktion auf den Versuch, sie zu beenden. Als die EU das Verbot für russisches Flüssiggas ab 2027 konkretisierte, reagierte der Konzernchef nicht mit Erleichterung, sondern mit Widerstand. Er beklagte, es scheine ja nun, dass ein europäisches Unternehmen kein russisches Flüssiggas mehr vermarkten dürfe, was man so nicht erwartet habe, und stellte den Ausstieg aus dem Jamal-Projekt als Drohung in den Raum. Nicht als Ziel. Wer wirklich gefangen ist in einem unliebsamen Vertrag, der jubelt, wenn man ihn befreit. Total beschwert sich über die Befreiung.

Und damit sind wir bei der einen Zahl, die diesen ganzen Text in sich trägt. Die vier wichtigsten Anlandeländer für russisches Flüssiggas in Europa sind Frankreich, Spanien, Belgien und die Niederlande. Diese vier Länder haben, so die Berechnungen von Greenpeace, zwischen 2022 und Mitte 2025 mehr Geld für russisches Flüssiggas ausgegeben, als sie der Ukraine im selben Zeitraum an bilateraler Hilfe zukommen ließen. 34,3 Milliarden Euro für das Gas. 21,2 Milliarden für die Ukraine. Europa hat den Angegriffenen weniger gegeben, als es dem Angreifer überwiesen hat. Das ist keine Polemik. Das ist eine Bilanz.

Wie aus russischem Gas belgisches wird

Damit das funktioniert, braucht es keinen Schmuggel und keine Tarnkappe. Es genügt der ganz normale Betrieb des europäischen Energiemarktes. Ein Tanker mit Flüssiggas aus Jamal läuft einen Hafen in Belgien oder Frankreich an. Dort wird das Gas wieder in seinen gasförmigen Zustand gebracht und ins europäische Pipelinenetz eingespeist. Von diesem Moment an ist es nicht mehr zu unterscheiden von Gas aus Norwegen oder Katar. Es vermischt sich, fließt weiter, wird gehandelt.

Die Bundesregierung beschreibt diesen Vorgang in ihren Akten mit bemerkenswerter Offenheit. Sobald das Gas an einem europäischen Terminal angelandet und eingespeist sei, könnten die Moleküle, wie bei allem anderen Gas auch, nicht mehr identifiziert oder bis zu ihrem Ziel verfolgt werden. In den offiziellen Statistiken erscheint das, was aus belgischen Häfen nach Deutschland fließt, schlicht als belgisches Gas, obwohl Belgien selbst kein Gas fördert. Die Herkunft wird an der Hafenkante abgestreift wie ein Mantel. Was hereinkommt, ist russisch. Was weiterfließt, heißt belgisch.

Direkt bezieht Deutschland seit dem Spätsommer 2022 kein russisches Erdgas mehr; die Pipelines sind tot, über die eigenen Terminals wird kein russisches Flüssiggas angelandet. Aber ob über den europäischen Binnenmarkt, über Zwischenhändler und Umwege russisches Gas nach Deutschland gelangt, das ist, so die Regierung wörtlich, nicht bekannt. Nicht ausgeschlossen. Nicht nachweisbar. Genau in dieser Grauzone lebt das Geschäft.

Die Zukunft wird aus Gas gebaut

Man könnte hoffen, dass dies das Ende einer Epoche beschreibt, das letzte Aufbäumen einer fossilen Abhängigkeit, die ohnehin verschwindet. Doch die deutsche Wirtschaftsministerin Katharina Reiche baut die Zukunft demonstrativ aus genau diesem Stoff. Nach monatelangem Ringen mit Brüssel setzte sie im Januar 2026 zwölf Gigawatt neuer Kraftwerksleistung durch, zugeschnitten im Kern auf Gas. Und auf die Frage, woher all das Gas kommen solle, nannte sie ausgerechnet Sefe: Dasselbe bundeseigene Unternehmen, dessen Russland-Verstrickung gerade erst öffentlich geworden war, soll zur tragenden Säule der künftigen deutschen Gasversorgung werden.

Und während Reiche mehr Gas will und sich über die bürokratische, methanregulierende, lieferbehindernde EU beklagt, ist es ebendiese EU, die mit ihrem Importverbot ab Ende 2027 jene Tür schließen will, durch die das russische Geld fließt - dauerhaft und rechtlich fester als jede Sanktion. Die Logik dahinter ist die eigentliche Pointe. Je mehr Gasinfrastruktur jetzt zementiert wird, desto länger bleibt Deutschland am Gas, und desto größer bleibt die Versuchung, es dort zu kaufen, wo es am billigsten ist. Nicht ein geheimer Vertrag ist die Gefahr. Die Gefahr ist die Struktur, die man gerade für die nächsten zwanzig Jahre festschreibt.

Das Warum, das niemand laut sagt

Bleibt die schwerste Frage. Nicht das Wie, das ist beantwortet. Sondern das Warum. Warum tut ein Kontinent das? Warum lässt das reiche, mächtige Europa das tapferste Volk an seinen Rändern seit über vier Jahren ausbluten und überweist gleichzeitig Milliarden an dessen Henker?

Die einfache Antwort lautet Gier, und sie ist nicht falsch. Konzerne verdienen, Verträge sind teuer zu lösen, billiges Gas senkt die Preise, und Preise gewinnen Wahlen. Aber die einfache Antwort ist nicht die ganze. Unter der Gier liegt etwas Älteres, Stilleres: die Angst. Die Angst vor einem Russland, das nie aufgehört hat zu drohen, das den eigenen Anspruch weit über die eigenen Grenzen hinaus formuliert. Europa wollte Zeit kaufen. Zeit, um die jahrzehntelang heruntergewirtschafteten Armeen wieder aufzubauen. Zeit, um eine Rüstungsproduktion in Gang zu bringen, die man verlernt hatte und die bis heute stockt, weil sich nicht einmal Deutschland und Frankreich auf ein gemeinsames Kampfflugzeug einigen können, ohne dass jeder zuerst auf die eigene Industrie schaut.

Das ist die unbequeme Wahrheit hinter der Heuchelei: Es war nicht nur Verrat, es war auch Furcht. Europa hat die Ukraine nicht aus reiner Kälte im Stich gelassen, sondern auch, weil es sich selbst nicht wehrhaft genug fühlte, um den Aggressor wirklich zu provozieren. Man schickte Waffen, ja, aber dosiert. Man verhängte Sanktionen, aber mit Hintertüren. Man stand zur Ukraine, aber nie so, dass es den eigenen Wohlstand und die eigene Sicherheit ernsthaft gefährdet hätte. Die Halbherzigkeit war kein Versehen. Sie war die Methode.

Das macht es nicht besser. Es macht es nur verständlicher. Und an einem Punkt schlägt das Verständnis in Anklage um. Denn die Angst, die das Wegschauen erklärt, ist dieselbe Angst, die es widerlegt. Wer wirklich fürchtet, dass Russland eines Tages weitermarschiert, der müsste das größte Interesse daran haben, Russland jetzt zu schwächen, seine Kasse zu leeren, seine Kriegsmaschine auszuhungern. Stattdessen hat Europa sie gefüttert. Aus Angst vor dem Krieg hat es den Krieg finanziert.

Die Rechnung

Es wird der Tag kommen, an dem dieser Krieg endet, so oder so, und an dem abgerechnet wird, wer wann was getan hat. An diesem Tag wird sich niemand auf Nichtwissen berufen können. Denn das Bemerkenswerte an dieser ganzen Geschichte ist nicht, dass sie verborgen war. Es ist, dass sie offen lag. Die Hafenanteile stehen in den Bundestags-Drucksachen. Die Milliarden stehen in den Studien der Umweltorganisationen. Das Dubai-Treffen, das Narrativ, die zwei Komma zwei Prozent, all das ist recherchiert, dokumentiert, abrufbar. Die eigentliche Aufdeckung, Webermanns Recherche, war harte journalistische Arbeit. Aber das meiste lag längst offen. Man musste nur bereit sein, die Konsequenz auszusprechen.

Bleibt die Hoffnung, dass mit dem EU-Verbot ab Ende 2027 wenigstens ein Schlussstrich gezogen wird. Doch wer die Verordnung genau liest, findet auch hier die vertraute Hintertür. Das Verbot enthält eine Sicherheitsklausel: Ist die Versorgung eines Mitgliedstaats ernsthaft gefährdet, kann die EU-Kommission erlauben, das Einfuhrverbot auszusetzen. Ruft ein Land den Notstand aus, sind befristete Lieferungen wieder erlaubt. Die Tür wird also verschlossen - aber der Schlüssel hängt griffbereit daneben, beschriftet mit demselben Wort, das schon diese Woche drei andere Türen geöffnet hat: Versorgungssicherheit. Es ist die Zauberformel, mit der sich seit Jahren jede Standhaftigkeit auflösen lässt, sobald die Preise steigen.

Die tapfersten Menschen dieses Kontinents halten an einer Front aus, die längst auch unsere ist. Sie bezahlen mit ihrem Leben für Zeit, die wir nutzen, um uns zu rüsten. Und während sie sterben, schicken wir ihnen Hilfe mit der einen Hand und dem Gegner das Geld mit der anderen. Das ist der Offenbarungseid Europas. Kein Vertragswerk, keine Wirtschaftsmeldung, keine Frage von Vertragslaufzeiten und Anlandestatistiken. Sondern die nüchterne Bilanz einer Feigheit, die sich Pragmatismus nennt. Und das Gas, das wir kaufen, ist nicht einfach Gas. Es ist das Gas, das tötet.

 Quellen und Belege: NDR/Plusminus-Recherche zur Sefe (Mai 2026); Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bundestags-Drucksache 21/2484 (30.10.2025); Greenpeace-Studie zu russischem LNG in der EU (September 2025); Reuters, ITV News und The Moscow Times zur britischen Sanktionsausnahme (19./20.05.2026); BMWE-Pressemitteilung zur Kraftwerksstrategie (15.01.2026); EU-Verordnung zum Ausstieg aus russischen Gasimporten mit Sicherheitsklausel (Einigung Rat/Parlament Dez. 2025, endgültig Jan. 2026). Geldbeträge sind Schätzungen; der indirekte Bezug russischen Gases nach Deutschland ist amtlich nicht nachweisbar, aber auch nicht ausgeschlossen.