Es gibt derzeit zwei große Erzählungen über künstliche Intelligenz. Es gibt derzeit zwei große Erzählungen über künstliche Intelligenz. Die eine verspricht uns medizinische Durchbrüche, wissenschaftliche Wunder und überhaupt eine ziemlich großartige Zukunft. In der anderen entwickelt eigene Ziele und erklärt den Menschen im ungünstigsten Fall zum evolutionären Zwischenstand. Und irgendwo dazwischen sitzt ein Delfin und pfeift.

Denn während sich Regierungen, Tech-Konzerne und KI-Pioniere darüber streiten, ob Superintelligenz eine neue industrielle Revolution oder das Ende der Menschheit einleitet, versuchen andere Forscher mit derselben Technik herauszufinden, was Tiere eigentlich zu sagen haben. Beim Project CETI etwa sollen KI und Robotik helfen, die Kommunikation von Pottwalen zu entschlüsseln. Dafür werden Laute, Bewegungen und Verhalten gemeinsam aufgezeichnet und ausgewertet, die Ergebnisse sollen später in Playback-Experimenten überprüft werden. Das klingt erst einmal wie die freundlichere Hälfte der KI-Zukunft: Statt Terminator endlich Dr. Dolittle.

Nur fragen sich inzwischen einige Verhaltensforscher, ob wir überhaupt wissen, was wir da tun. Schon das Wort „übersetzen“ suggeriert, irgendwo im Wal müsse eigentlich nur ein französischer Satz versteckt sein, den die Maschine bislang nicht gefunden hat. Tatsächlich ist bei vielen Tierarten noch offen, welche Signale überhaupt Bedeutung tragen und wie weit sich ihre Kommunikation mit menschlicher Sprache vergleichen lässt. Und wer künstlich erzeugte Signale an Tiere zurückspielt, kann sie nicht nur besser verstehen, sondern womöglich auch beeinflussen. Genau davor warnen Forscher im Guardian: KI könne Tierverhalten manipulieren, etwa zur Unterhaltung oder für andere menschliche Zwecke.

Der gemeine Forscher könnte an dieser Stelle fragen, wem das alles eigentlich nütze. Die gemeine KI würde vermutlich antworten: mir, ihr gebt mir ja jeden Datensatz, den ihr finden könnt. Vielleicht ist das unsere eigentliche große Leistung. Wir erschaffen eine Intelligenz, die eines Tages möglicherweise klüger ist als wir selbst, und sorgen vorsichtshalber schon dafür, dass sie anschließend noch jemanden zum Reden hat. Falls wir als Gesprächspartner ausfallen, bleiben schließlich die Delfine. Nur das Tippen mit Flossen könnte schwierig werden.

Quellen: Project CETI · Project CETI: Forschung · The Guardian, 22. September 2026: Using AI to „talk to animals“