Heute Abend in Berlin: Die SPD-Bundestagsfraktion läuft durch das Brandenburger Tor zum Bebelplatz, wo 1933 die Bücher brannten, mehrere Abgeordnete mit dem Grundgesetz in der Hand.
Boris Pistorius erinnert daran, dass später Menschen brannten, und stimmt die Nationalhymne an.
Die SPD-Fraktion singt auf dem Berliner Bebelplatz die Nationalhymne – auf dem Platz der Bücherverbrennung, an dem Tag, an dem in Sachsen-Anhalt AfDler mit demokratischen Stimmen ins Landtagspräsidium gewählt wurden. https://t.co/x4k0CMmFx8
— Moritz Rödle (@moritz_roedle) October 6, 2026
Kann man pathetisch finden. Klar, man kann auch über Grundgesetze in der Hand und Hymnen auf öffentlichen Plätzen spotten.
Aber vielleicht sollte man zuerst begreifen, warum gestandene Bundestagsabgeordnete überhaupt zu solchen Bildern greifen.
Am Nachmittag wird ein AfD-Politiker Präsident eines deutschen Landtags. Tobias Rausch bekommt 48 Stimmen, rechnerisch vier mehr, als AfD und BSW zusammen Sitze haben.
Dann wird Hans-Thomas Tillschneider Vizepräsident, Rechtsaußen einer AfD, die der Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft. 44 Ja, 38 Nein.
Das ist genau die Summe aus AfD und BSW, das BSW hatte vorher ein Nein angekündigt. Der SPD-Kandidat Willingmann fiel mit Karacho durch.
Danach wird der CDU-Mann Carsten Borchert mit 64 Stimmen Vizepräsident. Die kann er nicht ohne Stimmen aus der AfD-Fraktion bekommen haben.
Gleichzeitig gibt es laut ZEIT Hinweise auf Absprachen mit CDU-Abgeordneten, die CDU bestätigt sie nicht.
Zwei AfD-Vertreter sprechen von einem möglichen Vorspiel für die Ministerpräsidentenwahl.
Heute ist in Sachsen-Anhalt nicht einfach ein Parlamentspräsident gewählt worden.
Heute hat sich gezeigt, dass die politische Grenze zwischen AfD und Teilen des übrigen Parlaments offenbar durchlässiger geworden ist – und dass die AfD selbst bereits darüber spricht, was als Nächstes kommen könnte: Siegmund als Ministerpräsident, womöglich mit Stimmen aus der CDU.
Das ist der eigentliche historische Moment dieses Tages.