Fünf russische Raketen und Drohnen sind am Samstagmorgen in Moldau explodiert, unter anderem bei Ștefan Vodă, Anenii Noi und Căușeni. Verletzt wurde niemand, sagt Präsidentin Maia Sandu, bei Crocmaz gab es einen Vegetationsbrand und Sachschaden.
Europa wird das wie üblich als gute Nachricht lesen. Dabei war es nur der jüngste Fall: Die Regierung in Chișinău zählt in diesem Jahr Dutzende solcher Grenzverletzungen und hat den russischen Botschafter binnen weniger Tage zum zweiten Mal einbestellt.

Ob die Flugkörper gezielt nach Moldau flogen oder Fehlläufer bei Angriffen auf die Ukraine waren, ist offen. Nur muss Moskau es gar nicht wollen. Es reicht, dass es ihm egal ist. Moldau ist kein NATO-Mitglied, hat kaum Luftabwehr und keine Bündnisgarantie, die im Kreml jemanden nervös machen müsste.

Am selben Samstag saß Andrei Avram beim Zukunftsforum Demokratie in Düsseldorf auf dem Podium. Der Politikwissenschaftler und Senior Expert im EU-Projekt „Moldova is Europe“ sprach über Russlands hybriden Krieg gegen sein Land. Er zitierte die dänische Ministerpräsidentin:

Ein hybrides Auto sei auch ein Auto. Ein hybrider Krieg sei auch ein Krieg. Allein in die Kampagne gegen den EU-Beitritt habe Moskau, so Avram, 100 Millionen Euro gesteckt.

Die EU hat Moldau einen Beitrittsweg versprochen und 120 Millionen Euro für eine Luftabwehr gegeben. Das ist ein Anfang. Bis das System steht, bleibt das Versprechen eine schöne Verheißung. Offen ist nur, wer schneller ist: Putin und sein Marsch zurück in alte Sowjetzeiten oder wir.