Was ist da los?

Alle US-Bomber, die bis zum Wochenende auf der britischen Airbase Fairford standen, sind zurück in den USA. Das Pentagon bestätigte den vollständigen Abzug am Sonntag.

Zwölf B-1. Einfach futsch.

Und offenbar ziemlich plötzlich. Laut New York Times war die Sache so eilig, dass Maschinen und Crews bereits starteten, während Tankflugzeuge für den Rückflug über den Atlantik noch zusammengezogen wurden. Solche überstürzten Verlegungen von einem Stützpunkt in einem verbündeten Land, Tausende Kilometer vom Kampfgebiet entfernt, seien höchst ungewöhnlich.

Noch in der vergangenen Woche waren einzelne B-1 ganz normal ausgetauscht worden. Neue kamen, andere gingen. Öffentlich deutete nichts darauf hin, dass Washington den Standort wenige Tage später komplett räumen würde.

Dann kamen neue Geheimdienstinformationen.

Schon seit Mitte September wussten amerikanische und andere westliche Dienste von einem möglichen iranisch unterstützten Anschlagsplan gegen Fairford. Die Hinweise stammten aus abgefangener Kommunikation und von Informanten, waren aber zunächst vage: kein Datum, keine konkreten Täter.

Das Wall Street Journal berichtet zudem: US-Beamte wussten demnach von einem iranisch verbundenen Plan, die Bomber anzugreifen und Personal auf der Basis zu töten. Ein Zweig der Revolutionsgarden soll dafür britische Staatsangehörige angeworben haben, laut einem hochrangigen US-Beamten in mehreren Schritten, darunter eine Ablenkung in der Nachbarschaft. Einige britische Beamte bezweifeln allerdings, wie ausgefeilt dieser Plan wirklich war. Seit wann die US-Seite das alles wusste, steht nicht dabei.

Am Wochenende änderte sich die Lage erneut. Nach Angaben zweier US-Beamter, die anonym bleiben wollten, wurden die Warnungen plötzlich konkreter. Die Dringlichkeit stieg binnen 24 Stunden.

Danach waren die Bomber weg.

Was davor in England geschah, passt dazu, erklärt es aber nicht vollständig. In der Nacht auf den 27. September wählt einer von fünf Männern in drei weißen Transportern nahe der Basis den Notruf. Warum, weiß bis heute keiner.

Nach der Polizeizeitleiste rund 50 Minuten später ruft auch eine Anwohnerin an. Sie sagt, sie habe acht bis zehn Maskierte rennen sehen. Ob sie tatsächlich Verdächtige sah oder bereits Einsatzkräfte, lässt die New York Times ausdrücklich offen.

Dann folgen Festnahmen, 85 evakuierte Häuser, ein Roboter durchsucht die Wagen. Ergebnis: Treibstoff, kein Sprengstoff. Am nächsten Tag sind alle wieder auf freiem Fuß, die Ermittlungen laufen weiter. Später wird in London ein britisch-iranischer Doppelstaatler festgenommen, auch er kommt wieder frei.

Die Ermittler wissen laut NYT selbst nicht, ob die Männer Teil eines Ablenkungsmanövers waren, arglose Handlanger oder ob das Ganze ein Schwindel sein sollte, um Angst und Propaganda zu erzeugen. Premier Andy Burnham spricht von „starken Hinweisen“ auf eine iranische Beteiligung.

Ob die neuen Informationen vom Wochenende unmittelbar mit diesen Männern zu tun haben, sagt niemand.

Belegt ist: Nach Angaben von US-Beamten zogen die USA die zwölf B-1 wegen der Sicherheitsbedenken ab. Und sie hatten offenbar Informationen, die über das hinausgingen, was öffentlich bekannt war.

Die Frage ist deshalb nicht mehr: Warum fliegen die plötzlich heim?

Sondern: Was erfuhren die Amerikaner am Wochenende zusätzlich, das die Lage binnen 24 Stunden so dringend machte?