„This isn't really a Middle Eastern problem.“

Der Satz fällt fast nebenbei. Donald Trump wird gefragt, ob die USA ein Exportverbot für Diesel erwägen. Er sagt, man prüfe das sehr ernsthaft, warnt aber gleich vor möglichen Folgen für die Benzinpreise. Dann kommt er zum eigentlichen Problem: Russische Raffinerien würden „in die Luft gejagt“, die Ukraine greife sie an, deshalb könne Russland nicht mehr so viel Diesel produzieren wie zuvor. Anschließend erzählt Trump von seinem Gespräch mit Wolodymyr Selenskyj. Er habe den ukrainischen Präsidenten gebeten, sich bei den Raffinerien etwas zurückzuhalten. Selenskyj habe, so gibt Trump das Gespräch wieder, wohl zugestimmt. Dann fällt der Satz vom „world problem“.

Das ist eine angenehm übersichtliche Geschichte. Nur erzählt der Dieselmarkt gerade eine kompliziertere.

Die Preise stehen tatsächlich auf Rekordniveau. Aber Reuters führt dafür nicht nur die ausgefallene russische Produktion an. Der Krieg mit Iran hat laut Reuters zugleich Lieferungen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen, die Dieselexporte aus dem Nahen Osten gingen zeitweise drastisch zurück. Hinzu kommen weltweit knapp ausgelastete Raffinerien und niedrige Lagerbestände. Russland ist ein Teil des Problems. Der Nahe Osten ebenfalls.

Umso auffälliger ist Trumps Satz, es sei kein Nahostproblem. Doch. Zumindest auch. Und es ist nicht irgendein Krieg, der dort auf die Preise drückt, sondern einer, den die USA selbst führen, unter anderem mit Bombern, die aus England starten. Wenn Trump den Nahen Osten aus der Rechnung nimmt, verschwindet damit auch der Anteil eines Krieges, an dem die USA selbst beteiligt sind.

Wie sehr der Markt an diesem Krieg hängt, zeigte laut Reuters schon diese Woche. Als sich Hoffnung auf eine Annäherung zwischen Washington und Teheran abzeichnete, fielen die Ölpreise. Als die Gespräche wieder stockten, zogen sie an. So benimmt sich kein Markt, für den der Nahe Osten angeblich keine Rolle spielt.

Machen wir es trotzdem

Nehmen wir Trumps Diagnose ernst. Die Ukraine stellt ihre Angriffe auf russische Raffinerien ein. Russland kann wieder mehr Diesel produzieren und exportieren. Ein Engpass wird kleiner. Aber eben nur einer.

Die gestörten Lieferketten im Nahen Osten sind damit nicht repariert, und die Raffinerien der Welt bekommen keine zusätzlichen Kapazitäten geschenkt. Selbst die von Trump erwogene amerikanische Antwort, weniger Diesel aus den USA zu exportieren, könnte nach Einschätzung von Marktanalysten, die Reuters zitiert, das Gegenteil bewirken: weniger Angebot auf dem Weltmarkt, höhere Preise anderswo und womöglich Nachteile für amerikanische Raffinerien und Verbraucher. Es wäre also nicht einmal sicher, dass eine Schonfrist für russische Raffinerien Trumps Weltproblem löst. Man würde nur einen seiner Gründe beseitigen.

Und dann kommt die unangenehmere Frage: Warum greift die Ukraine diese Anlagen überhaupt an? Russische Raffinerien sind keine beliebigen Tankstellen. Sie sind Teil der Energieinfrastruktur eines Staates, der Krieg führt, sie liefern Treibstoff und bringen Exporterlöse. Für Kyjiw sind sie eines der wenigen Ziele tief im russischen Hinterland, mit denen sich die Kosten dieses Krieges für Moskau erhöhen lassen.

Genau hier wird aus einer Bitte um niedrigere Dieselpreise eine strategische Frage. Wenn die Ukraine ein wirksames Ziel schonen soll, weil die Folgen Menschen außerhalb des Kriegsgebiets an der Zapfsäule treffen, müsste man ihr entweder einen anderen Hebel nennen oder erklären, warum ausgerechnet sie den Preis für die Stabilität des Weltmarkts tragen soll. Zumal derselbe Weltmarkt längst an mehreren Kriegen hängt, und nur an einem davon ist die Ukraine beteiligt. Was in Trumps Rechnung außerdem gar nicht vorkommt, nämlich die russischen Angriffe auf Kyjiw, haben wir in einem eigenen Stück aufgeschrieben: „Was nicht an der Zapfsäule ankommt“.

Ein Weltproblem wird nicht dadurch einfacher, dass man nur auf den Teil zeigt, den Kyjiw verursacht.

Trump sagt, es gebe andere Dinge, die die Ukraine tun könne.

Ja, welche denn bitte?

Quellen: Videoaufnahme der Trump-Äußerung vom 27. September 2026; Reuters zu Dieselpreisen, russischen Raffinerieausfällen und Folgen des Iran-Kriegs, 21. bis 27. September 2026; The Times zu RAF Fairford als Basis für US-Angriffe, 27. September 2026.